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Der Mensch mit Demenz

Im Internet finden sich viele Seiten, die die Demenz medizinisch erklären. Wir wollen Ihnen hier einen verständlichen und persönlichen Zugang bieten. Durch die Gedanken einer Betroffenen können Sie sich ein Bild von der Welt der Demenz machen.

Jede Demenz verläuft irgendwie gleich und doch völlig anders.

So wie jeder Mensch einzigartig ist und jeder Einzelne seine eigene Geschichte hat, so ist es auch mit dieser Erkrankung. Es gibt Symptome, Anzeichen, Verhaltensweisen, die eingeordnet oder zugeordnet werden können, doch es gibt keine allgemeingültigen Rezepte oder Programme, die für jeden passen.

Darum ist die individuelle Auseinandersetzung mit dem Menschen so wichtig, die erstens nur im häuslichen Umfeld in geschütztem Rahmen und, zweitens, intensiv mit den Angehörigen passieren kann. Gerne unterstützen wir Sie im Raum Bruck−Mürzzuschlag bei dieser herausfordernden Aufgabe!

Was bedeutet es für einen Menschen, der merkt, dass er Dinge vergisst und zwar in einem Ausmaß, das nicht mehr der Normalität entspricht?

 

Die Gedanken eines Betroffenen könnten so aussehen:

„Gerade am Beginn der Erkrankung ist es sehr schwierig für mich mit der Diagnose umzugehen. Ich kann noch schreiben, lesen, rechnen und mehr oder weniger problemlos meinen Alltag meistern. Ich bin sehr gut darin, Verluste zu kompensieren. Meine Familie merkt bei ihren Besuchen vielleicht nur, dass es nicht mehr so „rund“ läuft. Sie finden meine Socken im Badezimmerschrank oder die Zahnbürste im Kühlschrank. Sie finden viele Zettel mit Notizen von ihren Namen und Geburtsdaten oder Wegbeschreibungen von daheim ins Kaufhaus. Es gibt ganz viele Dinge, die darauf hinweisen, dass ich mir schwer tue, den Alltag zu bewältigen. Dabei können sie nicht wissen, wie viel Energie ich brauche, um mein Bild nach außen aufrecht zu erhalten. In einer Gesellschaft wie dieser will ich nicht zum alten Eisen gehören, schon gar nicht zu denen, die nicht mehr wissen, was sie tun.

Ich werde alles tun, um dieses Geheimnis zu wahren, dass niemand dahinter kommt, wie es wirklich um mich steht. Ich schreibe mir weiterhin alles auf, um nicht die Kontrolle zu verlieren. Die Kontrolle über mein Leben! Es ist schlimm, weil ich jeden Tag das Gefühl habe, meine Gedanken zu verlieren. Sie verschwinden, die Erinnerungen, die Worte, die Gesichter, die Namen. Und mit nichts kann ich es aufhalten. Ich bin hilflos und traurig. Hoffnungslosigkeit, Scham und Angst, aufgedeckt zu werden, machen sich in mir breit. Dann mischen sich noch Gefühle von früher dazu, die ich mein Leben lang kontrolliert habe und die nun plötzlich anklopfen und mich völlig überfordern.

 

Jeder Tag ist ein Kampf, die Kontrolle nicht zu verlieren

Manchmal muss ich beschuldigen, manchmal jammern oder wehklagen, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Ich beschuldige meine Kinder, mir meinen kostbaren Schmuck zu stehlen, weil ich mich um meine verlorene Jugend betrogen fühle. Ich beschuldige meine Enkelkinder, mir Flöhe durchs Schlüsselloch zu schieben, weil mich der  Verlust, mich nicht mehr selbst pflegen zu können, zu sehr schmerzt. Ich kann nicht anders!  Diese Gefühle sind plötzlich alle da und ich bin zu alt, um es annehmen zu können. Es ist zu spät. Es ist auch zu spät, mit mir zu streiten! Ich habe IMMER recht und ich kann mich nicht mehr ändern. Anderen die Schuld zu geben, ist die einzige Möglichkeit zu überleben.

Wenn dann das Vergessen „überhand“ nimmt, wird es leichter für mich, weil der Verstand nicht mehr alles zu kontrollieren versucht. Gefühle fliegen jetzt durch Zeit und Raum und ich lebe sie aus, wie sie gerade da sind. Das Herz weiß jetzt, was gut für mich ist und zeigt mir den Weg. Auch für meine Familie ist es jetzt leichter, wobei sich einige zurückgezogen haben, weil ich sie zu sehr verletzt habe. Jetzt kann ich jedoch nicht verstehen, warum sie nicht da sind. Ich spüre aber, dass sie sehr traurig sind.

 

Ich bin jetzt weiter weg – in der Demenzwelt

Ich kümmere mich nicht mehr um eure Normen oder sozialen Regeln, weil ich es einerseits nicht mehr weiß und andererseits, weil es in meiner Welt nicht mehr wichtig ist. Für mich ist es wichtig, dass meine Bedürfnisse erfüllt werden. Ich will lieben und geliebt werden. Ich will nützlich sein und von euch gebraucht werden und ich möchte meine Gefühle spontan ausdrücken und nicht dafür bewertet werden. Ich wünsche mir, dass ihr mich besucht in meiner Welt, weil ich nicht mehr in eure Welt kann, diese Türen sind für mich fest verschlossen. Aber ich freue mich über jeden, der zu mir kommt und mir gut gesinnt ist, den lasse ich sofort in mein Herz. Ich will berührt werden und berühren und ich will euch diese Traurigkeit nehmen, die ich so oft spüre, wenn ihr bei mir seid. Ich bin noch da, auch wenn es manchmal anders erscheint. Ich fühle mich alleine!

Kieselstein unterstützt Menschen mit Demenz und deren Angehörige im Raum Bruck−Mürzzuschlag